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NADA TRAINER 2017

7 In welcher Sportart sind Sie aktiv und welche Athleten trainieren Sie? Ich bin seit 2006 Bundestrainerin im Modernen Fünfkampf und habe den Sport selber über 20 Jahre ausgeübt. Ich trainiere hauptsächlich mit Junioren aufwärts und bin dabei meist mit den Frauen und der Nationalmannschaft unterwegs. Ist die Anti-Doping-Thematik im Rahmen Ihrer Trainerausbil-dung behandelt worden? Ich habe Sport an der Universität Potsdam studiert, wo das Thema Anti-Doping natürlich vorkam. Außerdem habe ich C-, B- und A-Trainerscheine absolviert. Auch da wurde das Thema behandelt. Bei welchen Themen brauchen Ihre Athleten Unterstützung? Die älteren Sportler, mit denen ich arbeite, sind schon sehr ver-siert. Bei den jüngeren habe ich festgestellt, dass diese meistens beim Umgang mit Medikamenten unsicher sind. Bei den älteren Sportlern geht es eher um Nahrungsergänzungsmittel. Auch mit dem Hinweis auf die Kölner Liste® ist nicht klar, ob gewisse Mit-tel genommen werden können. Da besteht große Unsicherheit. Dazu gibt es mit dem Ausfüllen von ADAMS immer wieder Pro-bleme. Das ist den Sportlern zu umständlich und Änderungen dauern zu lange. Wie beurteilen Sie Ihren eigenen Wissensstand und den Ihrer Athleten zum Thema Anti-Doping? Meinen eigenen Wissensstand würde ich als recht gut beurteilen. Die älteren Sportler wissen auch ganz gut Bescheid. Bei den jün-geren bin ich mir da nicht ganz so sicher. Dort herrscht teilweise auch ein bisschen Naivität vor. Da muss ich schon etwas Aufklä-rungsarbeit leisten. Welche Verantwortung liegt beim Thema Anti-Doping bei Ihnen und welche bei Ihren Athleten? Die Verantwortung liegt meiner Meinung nach immer beim Sport-ler. Wenn er erwischt wird oder etwas genommen hat, ist der Sportler zu 100 % dafür verantwortlich, egal was ich als Trainerin gemacht habe. Und ich möchte auch gar keine Verantwortung. Ich habe in dem Sinne eine Verantwortung, dass ich helfe, offen bin für Fragen und bei Unsicherheiten an die Fachleute weiterleite. Welche Unterstützung bieten Sie Ihren Sportlern im Umgang mit den Anti-Doping-Auflagen (ADAMS, Kontrollen etc.)? Bei ADAMS verweisen wir die Jüngeren an die Älteren. Die leis-ten sehr gute Hilfe, da sie mit dem System schon Erfahrung ha-ben. Bei Kontrollen sorgen wir dafür, dass insbesondere bei den Jüngeren immer ein Trainer die Dopingkontrolle begleitet. Die Älteren schaffen das auch alleine. Wenn aber ein Sportler sagt, er möchte gerne jemanden dabeihaben, geht ein Trainer zur Si-cherheit mit. Mit wem arbeiten Sie in Bezug auf das Thema Anti-Doping zusammen? In erster Linie sind wir Trainer für die Sportler die Ansprech-partner, weil wir am nächsten dran sind. Wir vermitteln dann meistens an die Fachleute (Ärzte und Physiotherapeuten). Insti-tutionell arbeiten wir sehr gut mit den OSP zusammen. Auf Lehr-gängen oder Seminaren trägt manchmal auch der Verbandsarzt oder jemand von der NADA vor. Welche Form von Austausch mit anderen Trainern im internati-onalen Kontext gibt es zu dem Thema? Austausch mit anderen Trainern findet international nur privat statt. Offiziell wurde von Seiten des Weltverbandes das Thema Anti-Doping noch nicht angegangen. Was wünschen Sie sich zukünftig für die Anti-Doping-Arbeit? Meine Sportler wünschen sich vor allem eine Erleichterung des ADAMS, insbesondere der Änderungsfunktion. Manche würden sich sogar gerne orten lassen. Zwar will das natürlich nicht je-der, aber es wäre eine Option. Wünschenswert wäre es auch, wenn international alle Länder ein funktionierendes Anti-Do-ping- System hätten. Wenn ein Land nicht über eine eigene Anti- Doping-Agentur verfügt, sollte es entsprechend nicht bei z. B. den Olympischen Spielen starten dürfen. Außerdem könnte die Kommunikation zwischen der NADA und unserem Spitzenver-band effektiver sein. Wir wissen nicht immer, welche Informa-tionen die Sportler bekommen. Wüssten wir Bescheid, könnten wir zielgerichtet nachhaken und den Wissensstand der Sportler besser einschätzen. Kim Raisner Bundestrainerin Moderner Fünfkampf Einblick Interview: Kim Raisner


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