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NADA Elternbroschuere 2016

23 Wo fängt Doping an? Die Bereitschaft, befindlichkeits- und leistungssteigernde Mittel einzunehmen, entwickeln manche Kinder und Jugendliche be-reits sehr früh. Von klein auf lernen sie von den Eltern, anderen Erwachsenen ihres Umfeldes oder auch Ärzten, dass gegen fast jedes Unwohlsein ein Mittel zur Verfügung steht. Gegen Kopf-schmerzen helfen Tabletten, und auch gegen Nervosität oder Unruhe lässt sich etwas einnehmen. So lernen sie auch, dass sie durch „kleine Helfer“ aktiv etwas bewirken können – und das nicht nur bei Krankheit oder Unwohlsein. Wenn etwa Eltern ihrem Kind Vitaminpräparate geben mit der Begründung, dass es sich da-durch in der Schule besser konzentrieren kann, dann handelt es sich zwar um vermeintlich harmlose Mittel – entscheidend aber ist die Argumentation, die sich die Kinder aneignen: Ich nehme etwas, damit ich bessere Leistungen bringen kann oder mehr Energie habe. Wenn Kinder auf diese Art und Weise lernen, Mittel zu neh-men, die Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigern, kann sich das später negativ auswirken. So kann die Bereitschaft steigen, in persönlichen oder sportlichen Krisensituationen auf Problemlöser wie Medikamente, Drogen oder Dopingmittel zurückzugreifen. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Gebrauch von Nahrungsergän-zungsmitteln, insbesondere der von Vitaminen und Mineralstoffen ohne nachgewiesenen Mangel, den Weg in eine Dopingkarriere bereiten kann. Leistungsdruck in der Gesellschaft In unserer Gesellschaft werden zunehmend Leistung und Perfek-tion gefordert. Kinder und Jugendliche bekommen das schon sehr früh im Kindergarten und in der Schule zu spüren. Den Erwartun-gen, die in der Schule oder auch im Elternhaus gestellt werden, fühlen sich manche Kinder und Jugendliche aus eigener Kraft nicht gewachsen. In der Hoffnung, die Konzentration zu steigern, Belas-tungen und Druck zu dämpfen, Energie zu tanken oder die Leis-tungsgrenzen zu erweitern, greifen sie dann selbst zu Medikamen-ten, Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen „kleinen Helfern“. Fair Play im olympischen Geist Der olympische Geist verbindet den Willen, das Beste zu geben, mit hohen ethischen Idealen. Fair Play und Chancengleichheit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, gegenseitiger Respekt und Tole-ranz: Das sind die Werte, die den Sport ausmachen. Um sie zu wahren, gibt der Sport sich freiwillige Regeln, an die sich jeder Athlet halten muss – die Anti-Doping-Regel gehört dazu. Jeder Verstoß dagegen untergräbt den olympischen Geist: Publikum und Wettkampfteilnehmer werden gleichermaßen betrogen. Gera-de für die Entwicklung jugendlicher Athleten sind die Werte des Sports wichtig. Denn wenn es nur noch darum geht, mit allen Mit-teln zu siegen und dafür auch in Kauf zu nehmen, sich selbst zu schädigen, spielt der einzelne Mensch mit seinen Fähigkeiten eine immer geringere Rolle. Mögliche Auslöser für Doping Sportliche Krisen • Ausbleibende Erfolge trotz großer Anstrengung. • Angst, nicht mehr mithalten zu können und eine Karriere als Sportler aufgeben zu müssen. • Das Gefühl, die Anforderungen und Erwartungen von Trainern, Verein und Verband oder auch der Eltern nicht mehr erfüllen zu können. • Gehäuft auftretende sportliche Misserfolge. • Erzwungene Trainingspause infolge von Verletzungen. • (Drohendes) Ausscheiden aus dem Kader und die Angst, finanzielle und persönliche Zuwendung zu verlieren. • Der Kontakt mit dopenden Athleten auf nationaler und internationaler Ebene in kritischen Momenten der eigenen Karriere. • Der Umgang mit „falschen Freunden“, die Doping in solchen Krisenzeiten verharmlosen. Private Krisen • Probleme mit den Eltern, Verlust eines Elternteils. • Schulische Schwierigkeiten, Leistungsabfall, Auseinandersetzungen mit Lehrkräften. • Liebeskummer, Trennung. • Psychische Probleme wie Angststörungen oder Depressionen. • Drogenmissbrauch, Essstörungen.


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